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Walter Eberhard Loch in der Dresdner Tanzschule von Mary Wigman

Die Publikation von Brigitte Rieger-Benkel & Anne Wachter erläutert WELs Weg in Mary Wigmans Tanzstudio und ergründet die Faszination von Walter Eberhard Lochs Tanzbilder - auch im Vergleich zu anderen Bildenden Künstlern wie Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner, die sich ebenfalls in Wigmans Tanzstudio aufhielten.

Am 12. Juni 1926 erlitt der Künstler einen schweren Unfall mit seinem Motorrad. Die Bremsen hatten versagt. Fünf Tage lag er ohne Bewusstsein im Krankenhaus und erst im Sommer 1927 konnte er wieder einigermaßen ohne Hilfe gehen. Jetzt hatte er das große Glück, in der Tanzschule der Mary Wigman Proben zu besuchen, so oft und so lange er wollte. Und so wurde der bewegte Körper in unterschiedlichen Aktionen das entscheidende Thema seiner künstlerischen Arbeit. „Die Erkenntnis von der Heiligkeit der Bewegung lebensvoller Glieder“ und die „Körperbewegung“, schreibt er, „wurde mir Symbolik letzter seelischer Offenbarung“.

Loch studierte die rhythmischen, ausdrucksstarken Bewegungen der Tänzerinnen während des Unterrichts oder der abendlichen Vorstellungen und brachte seine Eindrücke oft noch nachts zu Papier. Jede Handbewegung und Beinstellung hat er hundertmal gezeichnet und durchdacht, bis er sie völlig beherrschte und bis er endlich zum Meister der tänzerischen Bewegung wurde. Seine Leidenschaft für den Tanz zwang ihn, seine ganze innere Glut in Farbe und Form, in den Fluß der Linie zu übersetzen. „Er ist ein Schilderer des Tanzes, nicht seiner Geste, sondern seines Inhalts.“

Mit den Jahren bildete sich eine Freundschaft zu Wigman, die lebenslang dauern sollte, so dass die Schwestern Mary und Elisabeth Loch baten, für die Erweiterung ihrer Tanzschule, bedingt durch die ständig steigenden Schülerzahlen, ein buntes Glasfenster für den Flur zu entwerfen. Die umgebaute Schule wurde am 11. Dezember 1927 eingeweiht. Leider fiel das Fenster, von dem nur noch ein Schwarzweißfoto existiert, dem Bombenkrieg zum Opfer. Darüber hinaus hielt Loch die Situation, besser gesagt die Atmosphäre, in den Übungsräumen fest, wie z. B. in dem Werk „Schülerinnen der Elisabeth Wiegmann“ und den Gemälden „Die blaue Gruppe“ und „Der gelbe Saal“. Angesichts der Kriegsschäden an der Tanzschule war WEL bewusst, dass er mit seinen Werken Historisches geleistet hatte, da er mit seinen gegenständlicheren Darstellungen Einblicke in den damaligen Schulalltag geben kann: „der „Gelbe Saal“ ist ein einmaliges Stück, von fast historischer Bedeutung im Reich der Tanzkunst durch ein fast geschichtliches Interesse der Kunstwelt für Marys Schule.“

Für einen seit der Kindheit leicht gehbehinderten Mann mussten die atemberaubenden Bewegungen und Sprünge der Tänzerinnen tief beeindruckend gewesen sein. Man kann gut nachvollziehen, warum WEL jede Bewegung akribisch erfasste und in unzähligen Studien auf Papier bannte. Denn „mit der Erfassung der äußeren Form allein ist es nicht getan, es galt den Rausch der Bewegung zu erfassen. Der Künstler musste von seiner Gewalt gepackt sein, wenn er dieses Schwingen, Bewegen, Gleiten, Rasen und Aufbegehren vollendet gebauter Körper gestalten wollte ohne auf die Sichtbarmachung der dabei durchbrechenden seelischen Erschütterung verzichten zu müssen.“ Vielleicht ist gerade dieser Gegensatz – seine wiedererlangte, allerdings eingeschränkte Beweglichkeit und die dynamischen Tanzbewegungen der hübschen Mädchen – das Geheimnis seiner aufregenden Tanzbilder. „Dies alles geschah wie aus tiefster Sehnsucht des körperlich so gequälten und behinderten Künstlers“, wie dies sein Freund Erich Worbs treffend beschrieb. Also auch Loch beschäftigte sich - wie seine berühmten Malkollegen Nolde und Kirchner - mit der Bewegung im Raum und deren Festhalten auf einem zweidimensionalen Bildträger. „Es kommt ihm bei den satten Farben nicht auf den mimischen Ausdruck der Tänzerin, sondern auf den Duktus der Bewegung an, wie er sich vor allem im Kleid zeigt. So sind die Hauptakzente auf das Schwebende der Bewegung gelegt, auf die bizarre Haltung der Arme, den Schwung des Körpers. [...] Immer haben Lochs Tänzerinnen, ob sie einen Namen tragen oder Phantasiegestalten sind, flatternde Haare, reiches Faltenspiel der Gewänder, seltsame Schatten.“

Vielfach sind Lochs Werke „nur“ abstrahierend und sehr selten abstrakt. Einige wenige dieser abstrakten Skizzen beweisen, wie künstlerisch nahe Loch eigentlich den Brücke-Künstlern stand. Er schlug jedoch den gegenständlicheren Weg ein und wurde so zum Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Aber gerade durch die erkennbare Körperlichkeit der Tänzerinnen wirken Lochs Bilder viel dynamischer und mitreißender. Die Farben tanzen fast auf dem Papier; rhythmisch hintereinander angeordnete Tänzerinnen in der Sprungbewegung verstärken noch den dynamischen Effekt.

Auffällig bei WELs Bildern ist, dass einige der betitelten Werke den Tanznummern Mary Wigmans entsprechen. Beispiele dafür sind: „Die Feier“, „Hexentanz“, „Tempeltanz“, „Sturmlied“, „Opfer“, „Monotonie“ oder „Totenklage“. Weitere Titel sind den tänzerischen Fachbegriffen entlehnt, wie „Der Aufschwung“, „Drehsprung“, „Gegenbewegung“ oder „Elegische Neigung“. Also nicht nur in der gegenständlicheren Darstellung unterscheidet sich WEL von seinen berühmteren Zeitgenossen, sondern er blieb auch in der Betitelung seiner Bilder sehr viel näher am Tanzgeschehen dran.

Die Tanzbilder, die überwiegend in Dresden entstanden waren, wurden zuerst in Indonesien (1929/30) und 1931 in Berlin gezeigt. Aber erst nach seinem Umzug an den Bodensee wurden die Werke in thematischen Einzelausstellungen - in Basel (1934) und in Konstanz - entsprechend gewürdigt. Die Plakate zu den europäischen Ausstellungen gestaltete WEL selber und sandte diese auch an Mary Wigman, die sich heute im Familienarchiv der Mary Wigman in Köln erhalten haben. Im Jahr 1938 gab Wigman im Stadttheater Konstanz ein Gastspiel. Aus diesem Anlass stellte WEL in der Wessenberg-Galerie seine Tanzbilder aus. Die enge Freundschaft in Dresden legt nahe, dass sich die beiden dabei trafen und sie sich seine Tanzbilder ansah.

Lochs Bilder sind zwar im Vergleich zu seinen berühmteren Kollegen Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner selten so avantgardistisch oder abstrakt, doch kein anderer Maler hat die Dynamik und Bewegung der Ausdruckstänzerinnen so gut eingefangen und auf ein zweidimensionales Papier oder eine Leinwand gebannt. Was Wigman auf der Bühne schuf, wie es die Deutsche Allgemeine Zeitung in den 1920er Jahren so treffend beschrieb: „Neu ist, wie sie den Raum schafft und beherrscht. Mit wenigen klaren Bewegungen gibt sie die Dimensionen an. Es scheint, als ob sie den Raum, in dem sie tanzt, aus der Leere herausreißt“, so ungewöhnlich sind die raumgreifenden Bewegungen der Tänzerinnen in WELs besten Tanzbildern. Es ging ihm um das Erfassen und um das Verstehen der Körpersprache, wie sie sich im Moment in der erstarrt oder schwebend anmutenden Haltung, in der bizarren oder erregten Stellung der Gliedmaßen ausdrückte, und es ging ihm vor allem darum, die Seele der gesamten Erscheinung einzufangen, zu begreifen und zu beherrschen. Um dieses zu erreichen, wandte er die unterschiedlichsten Techniken an. Gern arbeitete er mit den Ausdrucksmöglichkeiten der Graphik, benutzte die Blockhaftigkeit des Holzschnitts, die zackige, expressive Art des Linolschnitts oder den Fluß der Linie in der Radierung und der Lithographie. Was die Tanzbilder ausmacht und auch heute noch den Betrachter in seinen Bann zieht, wurde schon von den Kritikern der 1930er Jahre erkannt – und besser kann man es auch heute nicht beschreiben: „W. E. Loch stellt Lithographien, Radierungen und Holzschnitte aus, zumeist tanzende Menschen zeigend, so schön und treffend in der Zeichnung, daß jede seiner Arbeiten eine Lust für das Auge ist.“

WEL im Kraszweski-Museum Dresden

Ausstellung im Kraszewski-Museum in Dresden vom 04.03.2018 - 27.05.2018

WEL-Kreis und Gemeinde organisieren Ausstellung

Walter Eberhard Loch in seiner Wirkungsstätte Dresden

 

Der Maler und Schriftsteller Walter Eberhard Loch ist im damaligen  Breslau geboren, in Dresden aufgewachsen und hat von 1939 bis zu seinem Tod 1979 in Salem gelebt.Ebenfalls in Salem hat sich vor 12 Jahren der WEL-Kreis Salem e.V. gegründet, der die Erinnerung an den Künstler wachhält. Jahrelang hat sich der Verein zusammen mit der Gemeinde bemüht, in der Wirkungsstätte von WEL in Dresden eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Im Kraszewski Museum hat es nun geklappt und zur Vernissage am 4. März sind 27 Mitglieder des WEL-Kreises angereist. Der Leiter der städtischen Museen in Dresden Dr. Gisbert Porstmann hat die Delegation begrüßt. In die Ausstellung hat Dr. Maciej Lagiewski, Direktor des städtischen Museum Breslau eingeführt. Die Vorsitzende des WEL-Kreises, Brigitte Rieger-Benkel, hat die Laudatio übernommen. Sie ist auf die verschiedenen Schaffensphasen des Künstlers eingegangen. „Lochs stärkste Zeit ist eindeutig in Dresden gewesen“, sagte sie. Das haben die Gäste aus Dresden bei der Vernissage sicher gerne gehört. Besonders wichtig war zu seiner Dresdner Zeit die Begegnung mit der Ausdruckstänzerin Mary Wigman, die in der Elbmetropole ein Tanzstudio unterhielt.  In der Zeit von 1927 bis 1932 entstanden zahlreiche Werke von Loch, in denen Farbe und Bewegung dominierten. Tanzstudien in Öl, als Zeichnungen oder in diversen anderen Malstilen hat er in dieser Zeit gemalt. Die Tanzbilder nehmen einen erheblichen Teil seines künstlerischen Schaffens ein. Er studierte die Tänzerinnen während des Unterrichts und den Vorstellungen und arbeitete dann nachts noch oft an Skizzen. Jede Handbewegung und Beinstellungen versuchte er möglichst detailgetreu auf Papier festzuhalten. Unzählige Male setzte er dies fort, bis er sie endlich völlig beherrschte und er zum Meister der tänzerischen Darstellung wurde.

Loch hat 1919 die Tochter des Dresdner Musikers Betrand Roth geheiratet. Das Paar lebte bis 1932 in der sächsischen Metropole. Im Dresdner Kunstverein stellte er, mit anderen Künstlern, mehrfach seine Werke aus. Im Jahr seiner Hochzeit hat er auch seine erste Einzelausstellung bekommen. Die Kritiken damals waren durchweg positiv und ermutigten ihn seinen Stil weiter zu entwickeln.

Der WEL Kreis hat auch an der großen Ausstellung im Neuen Schloss Meersburg 2009 mitgewirkt. In seiner Schaffenszeit am Bodensee sind viele Bilder entstanden und WEL hat sich auch in der Region einen Namen gemacht. In der laufenden Ausstellung in Dresden sind zwar hauptsächlich Bilder aus seiner Dresdner Schaffensperiode zu sehen, aber auch die Breslauer Zeit und Exponate aus seiner Zeit am Bodensee sind dort mit ausgestellt. Für den WEL Kreis ist es ein Ziel, den Künstler überregional wieder in der Kunstszene zu  etablieren und auch in seiner Geburtsstadt Breslau und seiner Wirkungsstätte Dresden in Erinnerung zu halten.

Die Delegation, die von Salem nach Dresden zur Vernissage gereist ist, war auf jeden Fall begeistert über die gelungen Ausstellung im Kraszewski Museum. Sabine Stark von der Gemeindeverwaltung ist ebenfalls Mitglied im WEL-Kreis. „Diese Reise hat sich wirklich gelohnt und ich bin froh dabei gewesen zu sein“, sagt sie. Die Ausstellung wird bis Ende Mai zu sehen sein.

Ein Buch zur Ausstellung mit dem Titel: „Rausch der Bewegung – Walter Eberhard Loch in der Dresdner Tanzschule von Mary Wigman“ haben Brigitte Rieger-Benkel und Anne Wachter verfasst. In der Gemeindeverwaltung kann dieses Buch für 8 Euro erworben werden.

Ausstellung im Kraszewski-Museum in Dresden vom 3.03.2018 - 27.05.2018

Im Frühjahr nächsten Jahres werden Werke von Walter Eberhard Loch in Dresden zeigt, der Heimatstadt von Lochs Frau Dora Loch-Roth. Nach Ausstellungen in seiner Geburts- und Ausbildungsstadt Breslau und mehren Ausstellungen am Bodensee, darunter die große Ausstellung im Neuen Schloss Meersburg im Jahre 2009, folgt nun die Wiederentdeckung des Künstlers in einer Region, die zu seiner wichtigsten Schaffensperiode gehörte.

Durch die Heirat mit Dora Roth, der Tochter des Dresdner Musikers Bertrand Roth, im Jahre 1919 lebte das Paar bis 1932 in der sächsischen Metropole. Bemerkenswerte Graphik-Zyklen und zahlreiche bedeutende Werke Lochs entstanden in dieser Zeit in Dresden. Ferner nahm er dort an zahlreichen Ausstellungen teil. Besonders wichtig war allerdings für den Künstler die Begegnung mit Mary Wigman, der berühmten Ausdruckstänzerin jener Zeit, die in Dresden ein Tanzstudio unterhielt. Mit der Zeit entwickelte sich zwischen den beiden eine Freundschaft und ein Vertrauensverhältnis, das es WEL ermöglichte, die Tänzerinnen über einen Zeitraum von sechs Jahren zu beobachten und in unzähligen Studien, Zeichnungen, Graphiken, Aquarellen, Gemälden und Plastiken festzuhalten. Die Arbeiten zeigen eine Bandbreite von nahezu gegenständlichen Motiven bis zu fast abstrakt wirkenden Farbkompositionen. Besonders bestechen diese Werke durch eine außerordentliche Dynamik und bilden das zentrale Werk in seinem künstlerischen Schaffen. Neben Loch gaben sich berühmte Künstlerkollegen wie Schlemmer, Kirchner und Nolde in der Tanzschule die Klinke in die Hand. Aber nur Loch kam die Ehre zuteil, ein Glasfenster für den Flur des Gebäudes herzustellen, das allerdings den Bombenagriff 1945 zum Opfer fiel.

 

Der WEL-Kreis Salem ist hoch erfreut darüber, nun im Kraszewski-Museum Dresden eine kleine aber besondere Auswahl von Walter Eberhard Lochs Werken seiner Dresdner Schaffensperiode präsentieren zu können. Selbstverständlich werden auch Schlaglichter auf seine Breslauer Zeit und seine zweite Schaffensperiode am Bodensee geworfen.

 

 

Junge Bullen, Öl/Leinwand, um 1925

Rätsel um Gemälde von Walter Eberhard Loch ist gelöst (H. Gommeringer)

Expertin Anne Wachter hat bei der Versammlung des WEL-Kreises die Ergebnisse ihrer Recherchen zu einem rätselhaften Werk des Malers Walter Eberhard Loch von 1933 präsentiert: Es zeigt eine andere Frau

In der Mitte Detail von Lochs Porträt, umrahmt von Fotos von Ruth Ulich

Salem (hg) Erwartungsvolle Spannung bestimmte die Mitgliederversammlung des WEL-Kreises Salem. Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen stellte Sabine Stark die aktuellen Neuerwerbungen des Fördervereins vor und zum anderen löste WEL-Expertin Anne Wachter das Rätsel um ein Ölgemälde von Walter Eberhard Loch (WEL), auf dem eine Frau mit schwarzen Haaren und einem leuchtend blauen Kleid dargestellt ist.
Zu diesem Gemälde aus dem Jahr 1933 hatte Anne Wachter intensiv recherchiert und abschließend zuverlässige Erkenntnisse gewonnen. Sie berichtete, dass der Vergleich von Fotos und dem Gemälde (Mittelscheitel, hohe Backenknochen, Augenbrauen) sowie die Inhalte mehrerer Briefwechsel zweifelsfrei belegten, dass auf dem 80 mal 59 Zentimeter großen Ölbild Ruth Ulich abgebildet ist. Ihre Freundin aus Dresden-Hellerau habe die Lochs in ihrer neuen Heimat Gaienhofen besucht. Briefe von Dore und Walter Eberhard Loch belegen, dass das Ulich-Portraibild im Häuschen an der Tobelhalde hing. In einem Brief an Ruth Ulich schreibt WEL: "Dein Bild hängt unserem Diwan gegenüber." Kurz vor ihrem Tod 1985 beim Brand ihres Häuschens hatte Dore Loch-Roth das Ölgemälde an die Familie Reck geschickt – mit dem Hinweis, dass es sich um ein Portrait von Mary Wigman handle. Die aus Hannover
stammende Mary Wigman (1886 bis 1973) war zu ihrer Zeit eine international berühmte Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin.

Fazinierende Erinnerungen an Walter Eberhard Loch von Hugo Gommeringer

Vortrag am 10. März 2017 im Feuchtmayerhaus

Salem (hg) Eine Sternstunde lebendiger Begegnung mit Walter Eberhard Loch, bekannt unter dem Künstlernamen WEL, bescherten Anne Wachter und Brigitte Rieger-Benkel den vielen Besuchern in der guten Stube des Feuchtmayerhauses.
Dass die Besucher rundum von der gut einstündigen Präsentation begeistert waren, zeigten am Ende des reich bebilderten Vortrags der große Beifall. Das, was zu hören und zu sehen war, war für die Besucher ein intellektueller und sinnlicher Genuss.
Wohl kaum eine andere Salemer Räumlichkeit für das „Kulturerlebnis WEL“ wäre besser geeignet gewesen als das Haus der Kunst des berühmten Salemer Rokoko-Künstlers Joseph Anton Feuchtmayer (1696-1770).
Bereits eine Stunde vor dem WEL-Vortrag nahmen 34 Besucher an der Museumsführung teil. Ruth Wenzel und Irma Schmid gaben wertvolle Informationen.
Sabine Stark von der Gemeinde Salem, zugleich Vorstandsmitglied im WEL-Kreis, begrüßte die Gäste und Referentinnen im Vortragssaal.
Kurz zu den Referentinnen: Brigitte Rieger-Benkel ist seit 2012 Vorsitzende des Fördervereins WEL-Kreis Salem, der im Jahr 2006 mit dem Ziel gegründet wurde, die Erinnerung an das geniale Künstlerehepaar Walter Eberhard Loch und Dora Loch-Roth präsent zu halten. Die Vorsitzende hat in den fünf Jahren ihrer Amtszeit Einiges bewegt. U. a. entstanden ein wohl sortiertes Archiv, ein attraktiver Flyer und eine informative Homepage.
Anne Wachter engagiert sich zusammen mit ihrer Freundin Monika Taubitz (beide aus Meersburg) von Anfang an im WEL-Kreis. Im Jahr 2009 veröffentlichte Anne Wachter das Buch „Walter Eberhard Loch, 1885-1979, Lebensstationen eines Künstlers in Text und Bild“. Sie ist eine ausgewiesene WEL-Kennerin, was sie im Vortrag erneut unter Beweis stellte.
Nun zum Vortrag: In feiner Abstimmung und im gelungenen Wechselspiel verstanden es Anne Wachter und Brigitte Rieger-Benkel bestens, den Besuchern die Inhalte verständlich, spannend und kurzweilig zu vermitteln. Während Anne Wachter von der 94 Jahre währenden Lebensgeschichte des vielseitigen Künstlers und Schriftstellers erzählte, zeigte Brigitte Rieger-Benkel passend dazu Fotos und Bilder. Zudem erläuterte sie an Kunstwerken die Entwicklung der talentierten Persönlichkeit Loch, der fast die Hälfte seines Lebens auf dem Tobelhof in Neufrach-Leutkirch (1939-1979) verbrachte.
Einige Gedanken zum Vortragsinhalt: Im Blick auf den Holzschnitt „Wir haben uns verändert“ begann Anne Wachter den Vortrag. Die Darstellung gebe den Hinweis auf die veränderten Lebensumstände im abgelegenen Häuschen an der Tobelhalde.
Anschließend blätterte Anne Wachter zurück. Sie erzählte von WELs schwerer Kindheit in Breslau, vom Schlittschuh-Unfall mit einseitiger Lähmung des Beines und vom schweren Motorradunfall im Jahr 1926.
Schon sehr früh sei WELs sehnlichster Wunsch gewesen, Maler zu werden. Von 1901 bis 1912 habe er die Kunstakademie in Breslau besucht. Vor dem Umzug nach Dresden im Jahr 1919, wo er die Musikerin Dora Roth heiratete, sei WEL in Liegnitz und Berlin aktiv gewesen.
Des Weiteren nannte Anne Wachter die politischen Gründe, weswegen WEL 1932 mit seiner Frau Dora nach Gaienhofen an den Bodensee und schließlich 1939 nach Neufrach umgezogen sei. Als Verfolgte des Nazi-Regimes habe sich das Künstlerpaar zu diesem Schritt entschließen müssen. In seiner zweiten Heimat Neufrach habe sich WEL verstärkt der schriftstellerischen Tätigkeit zugewandt. Dramen, Prosatexte, Gedichte und das Neufracher Dorfbuch (1953) seien in dieser Zeit entstanden. An geeigneter Stelle zitierte Anne Wachter Zeitungsberichte, Aussagen und Gedichte des Künstlers.
Brigitte Rieger-Benkel gab einen Einblick in die vielfältigen Kunststile während der persönlichen Entwicklungsgeschichte WELs. Sie erläuterte die Portraitmalerei an den Werken „Vier mal Ich“ (1925) und „Meine junge Frau“ (1920). Als „einfacher Maler“, wie sich WEL selbst bezeichnet habe, habe sich der Künstler in der Periode der „Neuen Sachlichkeit“ der gegenständlichen Kunst gewidmet. Eine künstlerische Blüte habe WEL mit der Linoltechnik und den Druckgraphiken (expressive Buchillustrationen und Zyklen) erreicht. Die besondere Dynamik und malerische Reife habe sich in den Tierzeichnungen und den leuchtend farbigen Tanzstudien gezeigt. Wie viele Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts sei auch WEL von der Moderne und dem Expressionismus beeindruckt gewesen.

Zur Person
Walter Eberhard Loch, akademischer Maler und Schriftsteller, kam am 18. März 1885 in Breslau zur Welt. 1901-1912 studierte er an der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau. Zum Berufsstart arbeitete er als Graphiker, Sportreporter u. -zeichner für das Berliner Tagblatt. Ab 1915 war WEL Zeichenlehrer am Doppelgymnasium in Liegnitz. 1915 bis 1918 pflegte er Freundschaften mit Carl Hauptmann, Erich Worbs und Will-Erich Peuckert. 1919 heiratete er Dora Roth in Dresden. Von 1919 bis 1924 arbeitete er in Dresden als Monteur in einer Fabrik für optische Geräte. 1925 wurde er freischaffender Künstler. Nach seinem schwerer Motorradunfall 1926 wurde ab 1927 für sechs Jahre
die Tanzschule Mary Wigman sein bevorzugter Malort. 1932 zogen die Lochs nach Gaienhofen, wo WEL von 1936 bis 1939 Kunstlehrer an der Internatsschule war. Der erneute Umzug folgte 1939 nach Neufrach-Leutkirch. 1953 veröffentlichte WEL das Neufracher Dorfbuch und 1961 das SWF-Hörspiel „Das verbrannte Dorf“. Am 20.12.1979 starb er im Alter von 94 Jahren. Das Ehrengrab des Künstlerehepaars Loch findet sich noch heute auf dem Friedhof Leutkirch.

Einladung zum Vortrag: "Der Dichter-Maler Walter Eberhard Loch – Ein Porträt in Text und Bild"

Einladung zum Vortrag am 10. März 2017 im Feuchtmayerhaus

Seit seinem Gründungsjahr 2006 kümmert sich der WEL - Verein e.V. verstärkt um den künstlerischen Nachlass durch die Organisation von Ausstellungen, den Ankauf von Werken, den Druck seiner Texte und öffentliche Vorträge.

Der 1885 in Breslau (seit 1945 Wroclaw) geborene Walter Eberhard Loch lebte 40 Jahre zurückgezogen im Salemer Tal auf der Tobelhalde der Gemeinde Neufrach. Zuvor war in Liegnitz, Dresden und Gaienhofen tätig. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit wandte er sich auch der Schriftstellerei zu.

Bereits während des Studiums widmete sich Loch Tierstudien in Tiergärten sowie Entwürfen für Werbeplakaten und Postkarten. Als junger Künstler machte sich WEL früh mit expressiven Buchillustrationen und Zyklen in Linol- und Holzschnitt-Technik bei verschiedenen Ausstellungen auf sich aufmerksam. Mit dem Umzug nach Dresden wandelte sich sein Sujet, in dem er sich dem damals modernen Ausdruckstanz zuwandte. In Freundschaft zu Mary Wigman, in deren Tanzstudio er sich frei bewegen konnte, entstanden faszinierende, überwiegend abstrahierende und leuchtend farbige, Tanzstudien in verschiedenen Techniken. Am Bodensee schuf er meist Landschaften; blieb auch der Buchillustration treu. WEL blieb sein Leben lang der gegenständlichen Malerei treu, experimentierte aber auch mit der plastischen Ausmodellierung seiner Tier- und Sportthemen.

Alle Interessenten sind herzlich eingeladen - Eintritt frei

Außerdem besteht die Möglichkeit am 10. März um 17 Uhr das Feuchtmayer-Haus in einer Führung zu besichtigen. Vortrag beginnt voraussichtlich um 18 Uhr.

 

Referenten:

Anne Wachter studierte Pädagogik, Psychologie und Schuldidaktik in Weingarten und wirkte an verschiedenen Grund - und Hauptschulen Baden - Württembergs, zuletzt über zwei Jahrzehnte an der Meersburger Sommertalschule als Klassenlehrerin, Konrektorin und schulpsychologische Beratungslehrerin. Ihren Wohnsitz behielt die Pensionärin in Meersburg am Bodensee.

Brigitte Rieger-Benkel, studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie in Heidelberg, sowie Baudenkmalpflege in Trier. Von 1994 an war sie Mitarbeiterin im Kulturamt der Stadt Meersburg und von 2004 bis 2011 dessen Leiterin. Seit 2012 ist sie Vorsitzende des WEL – Vereins und wohnt seit einigen Jahren in Meckenbeuren.

Anne WachterBrigitte Rieger-Benkel

 

 

Bericht von der Hauptversammlung 2016

WEL in seinem Atelier in der Tobelhalde

Die Regularien in der zehnten Mitgliederversammlung des Walter Eberhard Loch-Kreises Salem (WEL-Kreis) waren schnell abgearbeitet. Die Vorsitzende Brigitte Rieger-Benkel erklärte Struktur und Inhalt der seit etwa neun Monaten fertigen Homepage. Des Weiteren informierte sie darüber, dass sich die Veröffentlichung der „Schlesischen Burgsagen“ von WEL verzögere. Herbert Jauch attestierte der Vorstandschaft des 92 Mitglieder zählenden Vereins eine vorbildliche Arbeit.

Aufmerksam lauschten die Besucher der Stimme von Walter Eberhard Loch, der sich vor gut 50 Jahren selbst aufgenommen hatte. Von der 92-minütigen Gesamtaufnahme genossen die Versammlungsteilnehmer den ersten Teil aus der Kinder- und Studienzeit. Das Gesprochene wurde mit passenden WEL-Bildern illustriert. Die meisten Gedichtvorträge stammen aus WELs im Selbstverlag erschienenen Büchlein „Mosaik des Lebens“.

Schriftführer Helio Stinka erzählte, wie der WEL-Kreis in den Besitz des „kleinen Schatzes“ kam. Bei der letzten Mitgliederversammlung sei ein Kästchen an Bernhard Reck überreicht worden, das dieser sofort an den WEL-Kreis weitergegeben habe. Zum Vorschein gekommen seien drei Notizzettel und drei Tonbandspulen von WEL. Mit großem Aufwand hat Helio Stinka die Original-Tonbandaufnahmen im Kreismedienzentrum bearbeitet und auf auf drei CDs speichern lassen.

Es wurde auch über weitere Vorhaben gesprochen. Immer noch habe man Kontakt mit Dresden, um in einer Ausstellung dort WEL-Bilder präsentieren zu können. Bernhard Reck regte die Erstellung eines Büchleins mit „Druckgraphiken von WEL“ an. Des Weiteren soll im Herbst 2016 im Feuchtmayerhaus Mimmenhausen der WEL-Vortrag von Brigitte Rieger-Benkel und Anne Wachter wiederholt werden. Anne Wachter hatte die Idee zu einem WEL-Abend im Komethof Nneufrach. Des Weiteren wurde darüber nachgedacht, wie man WEL an Schulen präsentieren könnte.

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